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Analyse : Rechte Mehrheiten verhindern – aber wie?

Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt

Wichtige Fakten

Erschienen
März 2026
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Wie wäre es, wenn die AfD zukünftig (mit)regiert? Diese Frage treibt in einem Jahr, in dem fünf Landtagswahlen anstehen, immer mehr Menschen in Deutschland um – auch solche, die sich sonst kaum für Politik und das parlamentarische System interessieren. Dabei ist die «Hoffnung, dass es so schlimm nicht kommen wird» (Becker 2025), trügerisch. Der Versuch, die radikale Rechte einzuhegen, indem ihre Positionen etwa durch einen radikalisierten Konservatismus übernommen werden, und sie in Regierungsbeteiligungen zu entzaubern, hat nirgends funktioniert (vgl. Candeias 2025). Auch eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung kommt zu dem Schluss, dass durch Bündnisse mit rechtsradikalen Parteien «eher die christdemokratischen und konservativen Parteien geschwächt werden als die extremen» (zit. n. Munk 2025). 

Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Hier hat die AfD nach aktuellen Umfragewerten die besten Chancen, auf Landesebene an die Macht zu gelangen. Ihr dortiger Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat als Ziel sogar eine Alleinregierung ausgegeben. Was halten die Menschen in Sachsen-Anhalt von all dem? Wie stehen sie zu einer Regierung(sbeteiligung) der AfD, welche Regierungsoptionen halten sie für wahrscheinlich bzw. welche Konstellation würden sie selbst bevorzugen? Hat beispielsweise eine Koalition aus CDU, SPD und BSW eine Chance oder doch eher eine Minderheitsregierung der Union? Wird die CDU im Land überhaupt noch als eine demokratische Alternative zur AfD wahrgenommen? Und wie sieht es mit der Partei Die Linke aus? Ist sie als Gegenpol zur AfD, als Pol eines sozialen Antifaschismus erkennbar? Und wie stehen die potenziellen Wähler*innen der Linken zu einer Tolerierung einer etwaigen Minderheitsregierung der CDU durch ihre Partei? Dazu und zu den Themen, die den Wähler*innen in Sachsen-Anhalt besonders wichtig sind, hat das renommierte Meinungsforschungsinstitut Verian (ehemals Kantar) im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Dezember 2025 eine repräsentative Befragung von gut 1.000 Personen durchgeführt. Die Ergebnisse der Umfrage werden wir im Folgenden darstellen und interpretieren. 

In einem ersten Schritt gehen wir jedoch kurz auf die Ausgangslage in Sachsen-Anhalt ein und tragen einige wichtige Befunde zur AfD in diesem Bundesland zusammen sowie Einschätzungen dazu, mit welchen Folgen bei einer Regierungsübernahme bzw. -beteiligung der AfD zu rechnen wäre. Zu der schwierigen Ausgangslage in Sachsen-Anhalt gehört auch, dass wir es dort mit einem besonders weit nach rechts gerückten Landesverband der CDU zu tun haben, in dem der Umgang mit der AfD äußerst umkämpft ist. Während Sven Schulze, der Nachfolger des langjährigen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, erklärt hat, unter keinen Umständen mit der AfD koalieren zu wollen, werden die Stimmen der parteiinternen Gegner*innen einer solchen Politik immer lauter. An die Darstellung der Umfrageergebnisse schließen sich Überlegungen an, was diese für die der Rosa-Luxemburg-Stiftung nahestehende Partei Die Linke bedeuten könnten. Es geht dabei vor allem um die Frage, ob Die Linke bei einem entsprechenden Wahlausgang eine CDU-geführte Minderheitsregierung in Sachsen-Anhalt tolerieren sollte, um eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern. 

Aus Ergebnissen repräsentativer Umfragen wie der vorliegenden lassen sich nicht direkt politische Strategien ableiten. Dies wird in politischen Debatten gern vergessen, weil Zahlen eine Art Aura der Objektivität mit sich bringen. Sie ersetzen jedoch keineswegs eine sozialwissenschaftliche und politische Analyse, müssen vielmehr in diese eingebettet werden. Sie sind also in ihrer Aussagekraft beschränkt, können aber wichtige Hinweise für eine politisch informierte und abwägende Debatte liefern und somit zu ihrer Versachlichung beitragen. Wir hoffen, mit der vorliegenden Publikation einen konstruktiven Beitrag zu einer solchen Auseinandersetzung beizusteuern.

Inhalt:

Kurzfassung und wichtigste Ergebnisse

1 Die Ausgangslage in Sachsen-Anhalt
1.1 Wie radikal ist die AfD in Sachsen-Anhalt?
1.2 Mögliche Folgen einer Beteiligung der AfD an der Regierungsmacht
1.3 Die strategische Sackgasse der CDU

2 Was denken die potenziellen Wähler*innen in Sachsen-Anhalt?
2.1 Wähler*innenpotenziale der Parteien in Sachsen-Anhalt
2.2 Welche Regierungsoptionen halten die Befragten für wahrscheinlich und welche wünschen sie sich?
2.3 Einschätzungen der Befragten zu CDU und AfD
2.4 Einschätzungen der Befragten zur Rolle der Partei Die Linke
2.5 Einschätzung zu den Wahlchancen von Bündnis 90/Die Grünen
2.6 Politische Prioritäten nach Themen

3 Auswertung und Interpretation der Umfrageergebnisse
3.1 Dilemmata politischer Strategie 
3.2 Optionen für Die Linke: «Konstruktive Opposition» und organisierende Partei

Autor*innen:

Anika Taschke ist stellvertretende Bereichsleiterin des Zentrums Gesellschaftsanalyse und politische Bildung sowie Referentin für Neonazismus der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Im letzten Jahr gab sie zusammen mit Steven Hummel «Hält die Brandmauer?» zu Kooperationen mit der extremen Rechten in ostdeutschen Kommunen heraus. 

Mario Candeias ist leitender Redakteur der Zeitschrift LuXemburg und Referent für sozialistische Transformation, linke Strategie und Parteien. Er hat jüngst viel zum Thema Faschisierung gearbeitet und mehrere repräsentative Befragungen zum Potenzial der Partei Die Linke und anderen Themen beauftragt und ausgewertet.

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